Edelstahloberflächen reinigen: Was mit Schliff und Glanz passiert
Gebürstet, geschliffen oder poliert: was die Kurzzeichen bedeuten
Wer Edelstahloberflächen reinigen lässt, denkt zuerst an den Schmutz. Bei einer Sichtfläche, also einer Fläche, die man täglich sieht und nach ihrem Aussehen beurteilt, kommt eine zweite Anforderung hinzu: Die Oberflächenausführung soll nach der Reinigung so wirken wie vorher. Das betrifft den Schliff einer Aufzugtür ebenso wie den Glanz einer polierten Blende.
Für Flachprodukte aus nichtrostendem Stahl, also Bleche und Bänder, führt DIN EN 10088-2 Kurzzeichen für die Ausführung der Oberfläche. Die Informationsstelle Edelstahl Rostfrei stellt die im Bauwesen gebräuchlichen in einer Übersicht zusammen. 2B steht für kaltgewalztes, wärmebehandeltes, gebeiztes und kalt nachgewalztes Blech mit leicht milchigem Glanz, eine besonders gängige Werksoberfläche. 2R bezeichnet blankgeglühtes Blech, das beinahe spiegelt. Unter den Sonderausführungen stehen 2G für geschliffen, 2J für gebürstet oder mattpoliert, 2K für seidenmattpoliert und 2P für blankpoliert.
Für die Reinigung zählt vor allem ein Unterschied, den diese Übersicht festhält. Geschliffene und gebürstete Ausführungen haben eine gleichgerichtete Textur, man erkennt also eine Schliffrichtung, und reflektieren wenig. Eine blankpolierte Fläche ist ungerichtet und spiegelt mit hoher Bildklarheit; auf ihr fällt eine matte Stelle eher auf. Außerdem entstehen Schliffe auch erst beim Verarbeiter, und innerhalb derselben Ausführung können die Eigenschaften schwanken.
Edelstahloberflächen reinigen im laufenden Betrieb
Edelstahl gilt als leicht zu reinigen. Nach den Merkblättern der Informationsstelle reicht für normale Verschmutzungen und Fingerabdrücke in der Regel ein feuchtes Tuch oder Leder, bei Bedarf mit etwas Spülmittel. Gebürstete und geschliffene Flächen zeigen Fingerabdrücke vor allem in der ersten Zeit nach der Inbetriebnahme; nach mehreren Reinigungen werden sie deutlich weniger sichtbar. Auf der Werksoberfläche 2B bleiben sie dagegen vergleichsweise deutlich zu sehen, weshalb diese Ausführung nach der Empfehlung Bereichen ohne Griffbeanspruchung vorbehalten bleiben sollte.
Mechanisch hochglanzpolierte Bleche werden unter anderem für hochwertige Aufzugskabinen verwendet. Die Informationsstelle rät, sie nur dort vorzusehen, wo eine sachkundige Reinigung sichergestellt ist, weil sich Schäden an ihnen nur schwer reparieren lassen. Für Fingerabdrücke und Alltagsschmutz ist eine Laserbearbeitung nicht gedacht; das bleibt Aufgabe der Unterhaltsreinigung.
Damit Schliff und Glanz bei dieser Pflege keinen Schaden nehmen, nennt die Informationsstelle einige Regeln:
- auf geschliffenen und gebürsteten Flächen, also den Ausführungen G, J und K, immer in Schliffrichtung wischen
- keinesfalls Stahlwolle, Drahtbürsten oder Scheuerschwämme aus normalem Stahl verwenden, weil sie kratzen und Fremdeisen auf der Oberfläche hinterlassen
- auf Scheuerpulver verzichten, da es die Oberfläche verkratzen kann
- chloridhaltige und vor allem salzsäurehaltige Reiniger, Kalkschleierentferner, Bleichmittel und Silberputzmittel nicht verwenden
- spiegelpolierte und blankgeglühte Flächen mit chloridfreiem Glasreiniger behandeln
- scharfe Reinigungsmittel zuerst an einer verdeckten Stelle ausprobieren, um Veränderungen der Oberfläche zu erkennen
Anti-Fingerprint, Lack und Farbe: wenn eine Schicht auf dem Stahl liegt
Edelstahl schützt sich selbst. Das Chrom im Stahl bildet an der Oberfläche eine dünne Passivschicht, die sich nach einer Beschädigung von selbst neu aufbaut, sofern Sauerstoff aus Luft oder Wasser hinzukommt. Weil Fingerabdrücke Flächen wie die von Fahrstühlen mit der Zeit unschön aussehen lassen, wird nach Angaben der Informationsstelle oft ein zusätzlicher Schutz zur Passivschicht gewünscht.
Eine Möglichkeit sind Anti-Fingerprint-Beschichtungen. Sie sollen bewirken, dass ein Fingerabdruck mit bloßem Auge kaum noch wahrgenommen wird. Solche Schichten können sehr dünn und durchsichtig sein: Das Fraunhofer-Institut IFAM beschreibt etwa eine dort entwickelte Nanobeschichtung, die das Erscheinungsbild der Oberfläche nur unwesentlich ändert und für das Auge nicht sichtbar ist. Ob eine Aufzugtür oder Verkleidung beschichtet ist, lässt sich deshalb nicht immer erkennen; Hinweise geben Unterlagen des Herstellers oder des Betriebs, der die Teile eingebaut hat.
Dazu kommen lackierte und elektrolytisch gefärbte Edelstahlflächen. Manche Reinigungsverfahren, die auf blankem Edelstahl üblich sind, eignen sich für sie nicht. Ein Lack ist oft empfindlicher als der Stahl darunter, und bei beiden Ausführungen lassen sich Schäden an der Oberfläche nicht reparieren. Für eine Laserbearbeitung folgt daraus, dass jede gewollte Schicht vorher benannt sein muss, damit sie nicht wie ein Rückstand behandelt wird.
Fremdrost und Anlauffarben auf nichtrostendem Stahl
Rostflecken auf einer Edelstahlfläche können von außen kommen. Die Informationsstelle nennt als Ursachen für solchen Fremdrost den Kontakt mit Werkzeugen, unlegiertem Stahl und stählernen Gerüsten sowie Schweiß-, Schneide- und Bohrarbeiten an Baustahlteilen in der Nähe. Die Eisenpartikel korrodieren unter Feuchtigkeit schnell, und die Korrosionspunkte können die Passivschicht örtlich durchbrechen und Lochkorrosion auslösen. Fremdeisen sollte deshalb umgehend entfernt werden.
Für die Entfernung empfiehlt die Informationsstelle ein abgestuftes Vorgehen, das von milder Reinigungsmilch und Edelstahlreinigern auf Zitronensäurebasis bei leichten Flecken über Oxal- oder Phosphorsäure bis zu einer Beiz- oder Passivierungsbehandlung reicht, wenn gravierender Fremdrost bereits in die Oberfläche eingedrungen ist. Dabei kann sich das Erscheinungsbild verändern, sodass unter Umständen eine weitere mechanische oder chemische Behandlung nötig wird, um es wiederherzustellen.
Ein Laser kann Rostbeläge dort abtragen, wo der Strahl die Fläche trifft. Auf einer Sichtfläche stellt sich dieselbe Frage wie bei der chemischen Behandlung: Was passiert mit Schliff und Glanz? Beantworten kann sie nur eine Probe. Ist die Fläche danach metallisch blank und frei von Fremdpartikeln und Anlauffarben, bildet sich die Passivschicht mit dem Sauerstoff der Luft üblicherweise von selbst neu.
Anlauffarben sind ein eigener Fall. Sie entstehen, wenn Edelstahl hohen Temperaturen ausgesetzt war, etwa bei Schweißarbeiten oder durch einen Brand, und können eine Beizbehandlung erforderlich machen. Weil auch der Laser Wärme einbringt, kann eine zu energiereiche Einstellung auf Edelstahl ihrerseits Anlauffarben erzeugen. In einer Laboruntersuchung mit einem Hochleistungslaser bildete sich bei der Reinigung von Edelstahl eine neue Oxidschicht, unter der der Stahl an Chrom verarmte; solche Stellen behindern nach Angaben der Informationsstelle die Bildung der Passivschicht.
Was der Laser an Schliff und Glanz verändern kann
Bei der Laserreinigung tragen kurze Lichtpulse einen Belag ab. Sobald der Belag fort ist, trifft der Strahl auf das Metall selbst, und je nach Einstellung, Rückstand und Ausführung kann die Fläche danach anders aussehen. Eine polierte Fläche kann matter oder heller wirken, die Struktur eines Schliffs kann sich verändern, und an der Bearbeitungskante können Wärmeverfärbungen entstehen. Wo benachbarte Bahnen des Strahls ungleichmäßig überlappen, kann es zu Streifenbildung kommen, die auf einer Funktionsfläche meist nicht stört, auf einer Sichtfläche aber auffällt.
Wenn Sie uns Fotos einer Edelstahlfläche schicken, klären wir bei PULSWERK zuerst, was nach der Reinigung zu sehen sein soll, und fragen nach Werkstoff, Oberflächenausführung, einer möglichen Beschichtung und dem Rückstand. Vor dem Lasern legen wir mit Ihnen fest, wie die bearbeitete Stelle wirken soll und welcher Übergang zur unbearbeiteten Fläche noch passt. Auch der Ort der Probefläche wird vereinbart: Sie muss den fraglichen Rückstand tragen, bei ungleichmäßiger Verschmutzung auch eine stärker betroffene Stelle, und liegt auf einer Sichtfläche möglichst dort, wo eine Veränderung wenig auffällt. An Aufzügen heißt dieser Schritt Probebearbeitung und setzt voraus, dass Betreiber und Wartungsbetrieb die Komponente freigegeben haben. Umfang und Kosten dieser Probe vereinbaren wir vorher, und das Angebot für die ganze Fläche richtet sich nach ihrem Ergebnis. Zum Einsatz kommen wir mit gepulsten Faserlasern von Köln aus zu Betrieben in NRW.
Beurteilt wird die Probe bei dem Licht und aus dem Blickwinkel, unter denen die Fläche später gesehen wird, im Vergleich mit einer unbearbeiteten Stelle daneben und auf Fotos unter gleichen Bedingungen. Wo der Glanz entscheidend ist, kann ein Glanzmessgerät den Glanzgrad beider Stellen in Zahlen fassen. Spiegelnde Flächen können Laserstrahlung zurückwerfen; sie werden deshalb in die Schutzmaßnahmen am Einsatzort einbezogen.
Grenzen
Eine Laserreinigung schleift und poliert nicht. Kratzer, ein beschädigter Schliff oder eine stumpf gewordene Politur sind Veränderungen im Material und bleiben nach der Reinigung bestehen. Verändert sich das Bild an der Probe stärker als vereinbart, bleibt es bei der Probe, und die Fläche wird mit einem anderen Verfahren oder gar nicht bearbeitet. Ein einheitliches Bild lässt sich dann unter Umständen nur durch eine mechanische oder chemische Nachbehandlung wiederherstellen.
Wird beim Lasern eine Anti-Fingerprint-Schicht, ein Lack oder eine Einfärbung angegriffen, kann der Laser sie nicht erneuern. In Narben, Lochfraßstellen und engen Fugen wirkt der Strahl nur so weit, wie er hineinreicht, und verlorenes Material ersetzt er nicht. Eine sauber aussehende Fläche belegt außerdem nicht, dass alle Fremdeisenpartikel entfernt sind; wie sich freies Eisen auf der Oberfläche nachweisen lässt, beschreibt die amerikanische Norm ASTM A 380, auf die auch die Informationsstelle verweist.
An Aufzügen geben Betreiber und Wartungsbetrieb vor, welche Komponenten bearbeitet werden dürfen; Funktionsteile kommen erst infrage, wenn die zuständige Stelle sie fachlich bewertet hat. Ein Ergebnis, das an einer Sichtfläche gut aussieht, sagt zudem nichts über Gebrauchstauglichkeit oder Sicherheit eines Bauteils aus.
Häufige Fragen
Bleibt der Schliff erhalten, wenn gebürsteter Edelstahl gelasert wird?
Das lässt sich vorab nicht zusagen. Ob Schliff und Glanz unverändert bleiben, hängt von Rückstand, Oberflächenausführung und Einstellung ab und zeigt sich an einer Probe an einer wenig sichtbaren Stelle mit demselben Rückstand. Weicht das Bild dort stärker ab als vereinbart, ist der Laser für diese Fläche nicht das passende Mittel.
Womit entfernt man Fingerabdrücke von einer Aufzugtür aus Edelstahl?
In der Regel genügt ein feuchtes Mikrofasertuch, bei Bedarf mit etwas Spülmittel; auf geschliffenen und gebürsteten Flächen wischen Sie dabei in Schliffrichtung. Scheuerpulver, Stahlwolle und chloridhaltige Reiniger gehören nicht auf Edelstahl. Für diese Aufgabe braucht es keinen Laser.
Woher kommen Rostflecken auf Edelstahl?
Eine mögliche Ursache ist Fremdrost: Eisenpartikel von Werkzeugen, Gerüsten oder aus Schneid-, Bohr- und Schweißarbeiten an normalem Stahl lagern sich auf der Oberfläche ab und rosten bei Feuchtigkeit. Sie können die Passivschicht örtlich stören und Lochkorrosion auslösen, deshalb sollten sie bald entfernt werden.
Kann der Laser eine Anti-Fingerprint-Beschichtung beschädigen?
Das ist möglich, denn solche Schichten können sehr dünn und mit bloßem Auge kaum zu erkennen sein. Ob eine Fläche beschichtet ist, sollte deshalb vor jeder Bearbeitung geklärt sein, am besten anhand der Unterlagen zur Anlage. Bleibt es unklar, gehört die Frage in die Probe; erneuern kann der Laser eine beschädigte Schicht nicht.
Begriffe aus dem Glossar
- Edelstahl (nichtrostender Stahl, rostfreier Stahl)
- Passivschicht
- Anlauffarben
- Glanzgrad (Glanzmessung)
- Streifenbildung (Bearbeitungsspur)
- Probefläche
Anfrage
Edelstahl mit Schliff oder Hochglanz: Was wir auf Ihren Fotos sehen möchten
Hilfreich sind eine Gesamtaufnahme, ein Detailfoto, auf dem Schliffrichtung und Rückstand zu erkennen sind, und Angaben zu Oberflächenausführung oder Beschichtung, soweit bekannt. Nennen Sie uns außerdem eine wenig sichtbare Stelle mit demselben Rückstand, an der eine Probe möglich wäre.